4.5.2014: Werder-Hertha BSC 2:0 Klatschpappen fürs Selbstbewusstsein

Ich bin seit 1976 Werderfan. Am 1.Mai 1976 erlebte ich mein allererstes, komplettes Spiel im Weserstadion. Gegen Gladbach. 2:2. Werder war in den Siebzigern die „graue Maus“, spielte in komischen Trikots (mal blau, mal rot, mal rot/weiß-gestreift) und wurde irgendwie am Ende Elfter. Die letzte Meisterschaft lag lange zurück und nur die Alten, die in der Ostkurve unterhalb der drei Fahnenmäste standen erzählten von „damals“ wie Opa vom Krieg. Es war für uns seinerzeit völlig unvorstellbar, das wir mal wieder Meister werden würden. Wir hatten im Kader ein paar, die irgendwie nie gehen würden (wie Höttges) und ein paar, von denen wir ahnten, dass wenn einer mit mehr Geld winkt, dass sie dann gehen würden. Es war gar nicht so leicht, sein Selbstbewusstsein als Fan des SV Werder zu formulieren und zu füttern. Und nun beschleicht mich das Gefühl, dass sich die Zeit wiederholt. Ich frage mich manchmal, welchen Namen hätte ich mir damals auf das Trikot flocken lassen, wenn es das schon gegeben hätte und mein Vater es mir bezahlt hätte? Damals, 1976, als ich 9 war. Meine Kinder sind bei weitem nicht so fanatisch wie ich, wenn es um Werder geht. (Meine Söhne zocken lieber im Netz und meine Tochter hat sich letzte Woche die erste Schminke bei dm geholt. Sie kommen nur mit, wenn sie gefragt werden.) Welchen Namen würden sie wohl auf dem Trikot haben wollen? Es ist wie 1976. Der Kader geht so. Er spielt gegen den Abstieg. Es gibt Lichtblicke, aber auch verflucht viel Schatten. Der einzige, der ein Höttges hätte werden können, geht. Und das, obwohl er bis heute offenbar noch gar nicht weiß wohin. Aaron Hunt. Was dieser Mannschaft fehlt, konnte man in der Halbzeitpause sehen, hören und fühlen. Da wurde die Doublemannschaft 2004 zum „Doubiläum“ geehrt. Besonderen Applaus gab es für Micoud und Ailton. Einen genialen Mittelfeldstrategen und einen Topstürmer. Beides ist bei Werder nicht in Sicht. Man fragt sich natürlich auch, ob es Thomas Eichin heute gelingen würde, wie weiland Klaus Allofs, einen Mann wie Micoud nach Bremen zu locken, wo er deutlich weniger verdienen würde als woanders. Gibt es diese Nischen noch? In denen sich damals ein Kristajic, ein Ismael oder eben ein Micoud aufhielten um dann in Bremen den Gang in die Unsterblichkeit anzutreten? Ja, es gibt sie. Siehe Lewandowski. Der kam vor vier Jahren als Bankdrücker aus Polen zum BVB und wurde dort unter Klopp und seinem Trainerteam zum Weltklassestürmer. Was wir brauchen ist also Geduld bei der Nachwuchsarbeit und ein glückliches Händchen bei etwaigen Neuverpflichtungen. Es geht auch in Augsburg oder Mainz. Warum nicht in Bremen? Womit wir beim Selbstbewusstsein als Fan wären. Ich ziehe mein Selbstbewusstsein als Fan aus Klatschpappen. Für alle nicht Stadiongänger: das sind von irgendwelchen Sponsoren bedruckte, feste Pappen, die so vorgestanzt sind, dass man sie zu einem Fächer falten kann. Mit dem kann man dann klatschen und das ist lauter als das manuelle Klatschen. Und: man kann länger, weil es nicht unbedingt eine Handinnenfläche braucht, um zu klatschen. Die schmerzt ja irgendwann. Auf den Klatschpappen, die letzten Mittwoch anläßlich des Champions-League-Halbfinales Bayern-Real in der Allianzarena verteilt wurden, war tatsächlich eine Gebrauchsanweisung aufgedruckt. Diese Publikum in München ist wirklich zu doof zum klatschen. Mehr als bunte Pappen hochhalten, die ihnen jemand auf den Sitz gelegt hat, können die nicht. Es war schon beschämend, wie wenig Unterstützung die Bayern von ihrem eigenen Anhang erhalten haben. Und das im CL-Halbfinale. Da ist bei uns mehr los und vor allem: auf unseren Klatschpappen steht keine Gebrauchsanweisung. Bei uns weiß jeder auch so, was sich gehört. Selbst Bayern-Tore werden bei uns lauter besungen. Vor allem die gegen den HSV.


29.4.2014: Bayern-Werder 5:2 - Nationale Pflicht erfüllt

Wir haben unseren Beitrag zur nationalen Fußballehre geleistet. Und das gleich doppelt. In der ersten Halbzeit haben wir den Bayern gezeigt, das es einfach nicht reicht, nur Ballbesitz zu haben und dann Konter zuzulassen. Offenbar war das ja noch nicht jedem klar. Trotz des Halbfinalhinspiels in Madrid. Und in der zweiten Halbzeit haben wir etwas für das bajuwarische Selbstbewusstsein getan und artig verloren, damit die Bayern auch schön gestärkt ins Halbfinalrückspiel gehen. Arndt Zeigler hat es in seiner bemerkenswerten Sonntagabendsendung sehr schön erklärt. Bayern München ist dieses Jahr wie Obelix, der als kleiner Junge in den Zaubertrank gefallen ist. Sie können nicht anders als stark sein und reißen selbst dann noch Bäume aus, wenn sie nur so tun als ob. Bedauerlicherweise sind wir nun vorrübergehend auf den 14.Platz abgerutscht, was für die Lizenz und die Fernsehgelder gar nicht so gut ist. Aber noch sind es ja zwei Spiele. Da kann man ja schon mal Bilanz ziehen, wenn auch nur vorläufig. Wir haben den Abstieg einen Spieltag früher vermieden als im letzten Jahr. Das mit den weniger Gegentoren hat nicht geklappt, aber immerhin haben wir neun mal „zu Null“ gespielt. Die Fans sind weiter absolut erwähnenswert. Aus dem Nachwuchsbereich haben wir leider nicht einen nennenswerten Impuls gespürt. Außer Kurzeinsätzen nichts gewesen. Entweder hat sich keiner als Alternative aufgedrängt oder sie haben nicht die Chancen bekommen, was möglicherweise dem langem Abstiegskampf geschuldet ist. Gegen die Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte hatten wir im Großen und Ganzen wenig zu bestellen. Gegen die Mitkonkurrenten um den Abstieg haben wir uns durchgesetzt und da die nötigen Punkte geholt. Immerhin. Es geht für Werder um die Zukunftsperspektive. Man kann da vom HSV etwas lernen. Die suchen seit 1983 nach den würdigen Nachfolgern ihrer legendären Europapokalmannschaft und fühlten sich seitdem wenn überhaupt als nur vorübergehend abwesend. Und das so lange, bis es sie jetzt wahrscheinlich erwischt. Thomas Eichin hat unter der Saison mehrfach ähnliches in Werders Umfeld ausgemacht. Auch hier seien einige immer noch auf Champions-League-Niveau und träumten von heißen Europapokalnächten am Mittwochabend unter Flutlicht. Er drückt deutlich die Bremse. Jörg Wontorra warnte letzte Woche im Weser-Kurier, man dürfe die Geduld der Werderfans nicht überstrapazieren. Sie würden nicht ewig „Übergangsjahre“ hinnehmen und Kampffußball als genauso attraktiv ansehen, wie „schönen Fußball“ a la Micoud oder Diego & Co. Jetzt kommt es besonders auf das glückliche Händchen bei der Zusammenstellung des Kaders an. Ich persönlich möchte eine Aufwärtstendenz sehen. Ich möchte mal wieder gegen Dortmund, Schalke und Co. Punkte holen. Ich möchte, dass das Weserstadion wieder zu einer Festung wird und wir klar nach oben orientiert sind. Und vor allem: der DFB-Pokal. Eine absolute Pflichtveranstaltung. Schneller kann man kein Geld verdienen, als mit 4-5 Siegen.


22.4.2014: Werder-Hoffenheim 3:1 - Geschafft!

So, hatte ich in dieser Saison schon erwähnt, das wir das beste Publikum sind? Ja, ich glaube sogar mehr als einmal. Die grundsätzliche Prägung der Bremer, ihre Mannschaft nicht auszupfeifen, ihnen nicht nach Spielschluß aufzulungern oder vor der Geschäftsstelle zu randalieren, sondern sie immer und immer wieder zu unterstützen, ist schon einzigartig. So einzigartig, dass sogar der Trainer der Gäste, Markus Gisdol, den Bremer Fans spielentscheidenden Faktor beimaß. Und sie hat sich bezahlt gemacht. Es war aber auch eine sehr kluge Idee von der Stadionregie direkt vor dem Einlaufen der Mannschaft die Szenen aus Mainz zu zeigen. Dort hatten tausende von Werderfans trotz des desaströsen Auftrittes noch eine Stunde nach dem Spiel ihre Mannschaft besungen, wie vor einem Jahr in Leverkusen. Und dieses kurze Video war die Initialzündung. Imposant war dann auch gleich die Reaktion der Tribüne nach dem frühen 0:1. Ein kurzer Moment des Entsetzens und dann sangen wir alle lauter als zuvor. Kein Pfiff, kein gar nichts. So geht Publikum heute. Nun ist es also geschafft. Auch wenn rechnerisch noch ein Punkt benötigt wird. Aber ob der HSV noch irgendwas holt in dieser Saison? Irgendwie ist dann ja doch komisch, wenn der HSV nicht mehr dabei wäre. Will man lieber gegen Paderborn spielen, als ein Nordderby bestreiten? Andererseits laufen in Hamburg so viele „Großkopferte“ rum, wie man im Süden sagt, das es denen auch mal ganz gut tut. Jahrzehntelanger Hochmut endet nun einmal im Fall. Trotzdem wäre es schön, sie dann auch bald wieder zu sehen. Denn auf das große Nordderby möchte ich eigentlich nicht dauerhaft verzichten. Nun sollte Werder sich aber auch nicht hängen lassen. Die 40-Punkte, die mal als Ziel ausgegeben waren, sind ja noch erreichbar. Und jeder Tabellenplatz höher bringt weitere Millionen aus dem TV-Topf. Und die werden dringend benötigt. Garcia zum Beispiel, möchte nicht nur bleiben, sondern den sollten wir auch behalten. Da ist eine Ablöse fällig. Der Hunt-Nachfolger Obraniak ist ja bereits da und wer weiß, was das für Kräfte freisetzt, wenn der Platzhirsch Hunt im Sommer weg ist. Trotzdem wäre eine weitere Offensivkraft das Wichtigste. Ansonsten müssen wir mehr denn je hoffen, dass die jungen Leute etwas taugen und den Sprung schaffen: Zander, Selke, Kobylanski, van Haacke (leider gerade mit Kreuzbandriss raus), Acicek, Yildirim, Röcker usw. Da es außer Frage ist, das Werder in der Lage sein wird, einen oder gar mehrere Transfers von sogenannten „fertigen Spielern“ zu tätigen muss die Nachwuchsarbeit Früchte tragen.

14.4.2014 Mainz 05-Werder 3:0 - Der Guardiolaeffekt

Mainz singt und lacht. Über Werder, das sich mal wieder von seiner anderen Seite präsentiert hat. Vielleicht gibt es bei Werder ja auch einen Guardiolaeffekt. Seitdem Pep bei den Bayern verkündet hat, dass er sich für die Meisterschaft nicht mehr interessiert, fällt es den Spielern offenbar schwer, ihr ohne Zweifel und ja zuhauf dokumentiertes Können, abzurufen. Und schon holen sie sich aus drei Spielen, zwei Niederlagen und ein Unentschieden. Das rückt dann im Übrigen auch die Maßnahmen anderer Trainer in ein neues Licht. Was hatte sich beispielsweise Armin Veh von Eintracht Frankfurt anhören müssen, als er beim Auswärtsspiel in München auf einige seiner besten Spieler verzichtete um sie zu schonen und/oder vor der fünften Gelben Karte zu bewahren. Eine Woche später lag ein Heimspiel an, bei dem er sich mit seiner besten Mannschaft mehr ausrechnete. Armin Veh hat also den Spielen unterschiedliche Wichtigkeit attestiert. Das macht Pep Guardiola auch. Und bei Werder? Nun, die Verantwortlichen, allen voran Thomas Eichin, wurden nach dem Spiel gegen Schalke nicht müde zu betonen, das Werder keineswegs am rettenden Ufer sei. Er war es auch, der den „Mini-Sammer“ gab, weil er nach einem, für Werder-Verhältnisse, grandiosen Spiel gegen Schalke rummotzte, das es nicht zum Dreier gereicht hatte. Robin Dutt wiederholt gebetsmühlenartig, dass 40 Punkte das Ziel sind und nicht 33. Und trotzdem hat sich bei den Spielern offenbar der Gedanke eingeschlichen, das sie doch irgendwie durch sind, was ja wahrscheinlich auch stimmt. Und schon fehlen die letzten Prozent. Und schon stehen die Verteidiger den Zentimeter zu weit weg, sind die Mittelfeldspieler die Millisekunde später am Ball und kommt die Flanke ein klein wenig zu hoch und so weiter. Wie in München. Dortmund hat das Klasse gemacht. Und ich bin gewiss der letzte, der die Leistung des BVB beim Auswärtsspiel der Münchener schmälern wird. Und dennoch, war den Bayern eben auch anzumerken, das die Spannung nicht mehr so da ist, weil der Wettbewerb nun einmal entschieden ist und der Trainer das auch noch lauthals verkündet hat.

Unsere Auswärtsfans haben dafür ein sensationelles Gespür und sangen noch eine Stunde nach Spielschluß auf der Mainzer Tribüne so laut ihre Lieder, das sie Teile der Mannschaft samt Trainier zwangen, noch mal rauszukommen und sich zu stellen. Die Jungs sind keineswegs weltfremd oder blind. Sie haben ein feines Näschen, wann es gilt, das Team daran zu erinnern, das sie unser Trikot tragen und nicht wir das ihre. Und das sie sich in diesem Trikot gefälligst anzustrengen und zu zerreißen haben. Ach ja, was den Stürmerzweikampf angeht: 1:0 für di Santo. Torschütze: Petersen.

6.4.2014: Werder-Schalke 1:1 - Der Stürmerzweikampf

Als in der 82.Minute Nils Petersen eingewechselt wurde, sah man fortan einen Stürmer, der aufgedreht war, als wäre er eine Spielmaus, die 82 Minuten lang auf der Bank festgehalten worden wäre. Er hatte es auch nicht einfach. Robin Dutt gab wieder Franco di Santo den Vorzug im Sturm. Und Petersen musste mit ansehen, wie der schon wieder trifft. Der di Santo mausert sich. Er hat zwar erst vier Tore erzielt. Aber davon drei wichtige. Das 1:0 in Nürnberg, das 1:1 in Hannover, was Werder wieder ins Spiel brachte und gestern auch wieder das 1:0. Gemeinhin unterscheidet man Stürmer ja in diejenigen, die überhaupt treffen und diejenigen, die die wichtigen Tore machen. Zum Beispiel ein 1:0, das gestern die folgerichtige Belohnung für einen sehr guten Start in die Begegnung gegen Schalke 04 war. Übrigens, wie schon in Hannover, exzellent vorbereitet von Eljero Elia. Dann schien es für kurze Zeit, als ob di Santo sich selber wieder einen Strich durch die Rechnung zu machen schien. Er kassierte unnötig gelb, ging trotzdem weiterhin robust in die Zweikämpfe und wurde kurz vor der Pause unmissverständlich vom Schiedsrichter ermahnt, das er bei der nächsten Kleinigkeit Rot sehen würde. Sicher stieg bei Petersen nun die Hoffnung auf einen Einsatz. Aber nach der Pause kam di Santo wieder. Dann endlich in der 56.Minute die Auswechslung. Aber Dutt brachte Gebre Selassie und nicht Petersen. Dann aber kam die 82.Minute und Petersen kam, wie beschrieben, wie aufgedreht auf den Platz, so dass man sich von der Tribüne wünschte, der Wechsel wäre einen Tick früher erfolgt. Die Impulse, die Petersen in den verbleibenden Minuten setzte, reichten nicht mehr zum zweifelsohne verdienten Siegtreffer.

Der Konkurrenzkampf um den Platz im Sturm ist entbrannt und Dutt forciert ihn. Petersen hat ja auch schon wichtige Tore gemacht. Im Hinspiel in Hamburg zum Beispiel, das 1:0 bei Hertha BSC, auch wenn das Spiel dann verloren ging. Aber das letzte richtig gute Spiel ist dann auch schon eine Weile her. Es wurde also Zeit, den Kampfgeist zu wecken. Mal sehen, was das in den nächsten Wochen noch bringt. Beim Thema Konkurrenzkampf im Kader kommt einem allerdings auch die Frage nach den Nachwuchsspielern in den Sinn. In diesem Punkt taugt der gestrige Gast durchaus als Vorbild. Draxler, Kolasinac, Goretzka (der Torschütze gestern), Max u.a. stammen alle aus der legendären Knappenschule und sind Bestandteil der Bundesligamannschaft, die es bis ins Champions-League-Achtelfinale geschafft hat. Es stellt sich immer wieder die Frage, wann bei Werder wieder mal ein Spieler den Sprung ins Team schafft. Was ist mit Aycicek, Lorenzen, Kobylanski, van Haacke und wie sie alle heißen? Schalke kann mit Draxler vorne mitspielen oder durch ihn einen gewaltigen Transfererlös erzielen. Beides hätte auch Werder dringend nötig.

Am Freitag hat übrigens ein gewisser Julian Brandt, 17 Jahre, sein erstes Bundesligator erzielt. Für Bayer Leverkusen. Er gilt als eines der größten Talente Deutschlands. Und lernte das Fußballspielen in Bremen. Beim SC Borgfeld.

31.3.2014: Hannover 96-Werder 1:2: Das Glück der späten Sekunde


Hätte ich diesen Kommentar etwa zur 80.Minute des Spiels unseres SV Werder bei Hannover 96 geschrieben, dann wäre wohl so ein Unterton heruasgekommen, wie wenn auf einem Arbeitszeugnis steht: „Sie waren stets bemüht.“ Der Leser dieser Formulierung weiß dann, das es dem Absolventen eben an einigem fehlte. Es gelang ihm noch viel, obwohl ihm kein Mangel an Fleiß vorzuwerfen ist. Und so geht uns mit unserem SV Werder ja seit Wochen: es mangelt nicht an Fleiß, sondern an der Durchschlagskraft. An Messbarem, schlicht am Erfolg. Und ja: gestern spielte Werder ganz anders als gegen Wolfsburg oder in Freiburg. Herr Lindemann von sky wurde gar nicht müde, Werder zu loben. Allein: es sprang eben wieder mal nichts raus. Ron Robert Zieler im Tor von 96 durfte einige Male halbhoch in die lange Ecke fliegen (sieht geil aus, ist aber nicht so schwer) und das Tor machte 96. Durch einen Freistoß, der nicht sein musste, einen klitzekleinen Fehler von Elija und einen weiteren von Wolf. Immerhin ließ es 96 zu, das Werder nicht tiefer in den Schlamassel geriet. 96 ist nämlich auch eine Mannschaft, die augenscheinlich, sagen wir mal, in der Findungsphase ist. Die können das eigentlich auch viel besser, es will aber nicht so recht gelingen. Und so vergeben sie dann die guten Chancen, die sich bieten, um das Spiel zu entscheiden. Wie Andrööösen (hihi) zum Beispiel. Was einem allerdings die Tränen in die Augen treibt ist das 1:1. Es war so gekonnt herausgespielt und technisch so einwandfrei erzielt, daß sich der Werderfan fragt: warum nicht öfter so. Der Elija, der kann doch was. Und auch di Santo. Die sind doch besser. Jungs, warum zeigt ihr das nicht öfter und auch mal gegen die richtig guten? Das Ganze wurde dann gekrönt durch das Glück der späten Sekunde. In der 91.Minute. Und das war auch so etwas ausgleichende Gerechtigkeit für den Lattentreffer von Petersen letzte Woche gegen Wolfsburg, der das 2:2 bedeutet hätte. So. Nun haben wir 8 Punkte vor und hinter uns haben alle verloren. Ich sag mal: noch ein Sieg und Werder ist durch. Warum nicht gegen Schalke?

26.3.2014: Freiburg-Werder 3:1, Werder-Wolfsburg 1:3: Der Patient erleidet einen Rückfall

Nach dem Spiel gegen Gladbach habe ich, und das ist weiter unten nachzulesen, der Mannschaft Erstligatauglichkeit attestiert und prophezeit, dass sie nicht absteigt. Das Spiel gegen den HSV schien mich in dieser Einschätzung zu bestätigen. Die Einstellung stimmte, das Zweikampfverhalten war mehr als angemessen und es waren sogar ein paar Ansätze an spielerischem Können zu erkennen. Nun scheint es, als sei meine Prognose zu früh gekommen. Gestern Abend sendete ich an einen Freund eine SMS mit den Worten „Wir kämpfen bis zum Schluß“ mit dem Nachsatz: „Ich meinte die Tribüne.“ Denn wieder einmal offenbarte das Publikum, das es den Ernst der Lage erkannt hatte. Hatte man nun nach dem desaströsen Auftritt in Freiburg auf eine Trotzreaktion gehofft, wurde man eines besseren belehrt. Zwar steckte die Mannschaft den Rückstand dann doch relativ zeitnah weg. Aber der Mangel an fußballerischen Möglichkeiten, die völlige Hilflosigkeit, mal ein Spiel nach Vorne aufzubauen, die ausbleibende Konsequenz in den Zweikämpfen machte mich zunehmend sprachlos. Wer den Ball hat, ist der Dumme. Wer immer auch auf der 6 spielt wählt häufig die Männer hinter sich als Anspielstation. Raphael Wolf muss weit abschlagen, weil das Team nicht über die spielerischen Möglichkeiten verfügt, den Ball von hinter heraus zu spielen. Die fehlende Passgenauigkeit ist haarsträubend ebenso wie der als Deckung getarnte Geleitschutz der Gegenspieler. Zeugnis: nur bedingt erstligatauglich. In der Straßenbahn auf dem Weg zum Bahnhof fragte ein Fahrgast halblaut in die nahezu schweigende Runde: „Mal im Ernst: welche Mannschaft spielt denn schlechter als wir?“ Und es kam keine Antwort. Weil einem aus diese Frage keine Antwort einfällt. Weil selbst Braunschweig ein Lebenszeichen von sich gibt. Und weil Stuttgart dank Trainerwechsel stabilisiert auftritt, weil Freiburg und Frankfurt, ihrer Europa-League-Aufgaben entledigt, zu ihrer Qualität zurückfinden und punkten. Blieben nur noch Nürnberg und der HSV. Mit Hoffenheim und Hannover haben wir nur noch zwei Gegner aus der unmittelbaren Tabellennachbarschaft. Der Rest des Programms besteht aus Teams, die deutlich über uns stehen. Da ist mit dem Team nichts zu holen. Und nun kann einem wirklich Angst und Bange werden

18.3.2014: Werder-Stuttgart 1:1. Von allem etwas weniger...

Es war von allem ein bißchen weniger als zuletzt. Schon am Hauptbahnhof ging es los: obwohl ich erst gegen 14:30Uhr dort war, gab es kein Gedränge, jede Menge Sitzplätze in den Wagen und Wagons. Auch vor dem Stadion, Platz, wohin das Auge reicht. Kaum Polizisten und Ordnungskräfte. Die Eingangskontrolle ist mit „halbherzig“ schon sehr freundlich beschrieben. Selbst die Schlange vor dem Bierstand und später vor dem WC erschien weniger frequentiert als sonst. Und das obwohl das Stadion wieder ausverkauft war. Wie vor zwei Wochen gegen den HSV. Das Dumme war nur: das mit dem „ein bißchen weniger“ setzte sich auf dem Spielfeld fort. Auch bei Werder hatte man den Eindruck, es sei von allem ein bißchen weniger. Ein bißchen weniger Biss. Ein bißchen weniger Särke. Stuttgart war aggressiver in den Zweikämpfen, hatte alsbald Vorteile im Mittelfeld und die besseren Torchancen. Man sah der Gastmannschaft alsbald an, welches spielerisches Potential in ihr schlummerte. Es blitzte hier und da auf. Werder kann im Moment ja nur Punkte erkämpfen. Für das Erspielen von Punkten fehlt es an eben der notwendigen spielerischen Klasse. Wenn dann aber auch an den kämpferischen Qualitäten ein wenig nur „gespart“ wird, dann kommt gegen einen keineswegs übermächtigen VfB Stuttgart eben nur ein 1:1 heraus. Nach dem Abschluß des Spieltages, mit den Siegen von Freiburg und dem HSV, ein Punkt mit Beigeschmack. Am kommenden Freitag haben wir das letzte Spiel gegen einen direkten Mitkonkurrenten, den SC Freiburg. Danach spielen wir noch gegen Bayern, Wolfsburg, Hertha, Leverkusen, Schalke unter anderem. Um so dringender ist es, das die Mannschaft in Freiburg wieder ein bißchen mehr zeigt. Am besten soviel, dass es zum Dreier reicht.

Ach ja, da wäre dann ja noch der Uli Hoeneß. Etwas scherzhaft könnte man sagen, das das alles nichts gebracht hat: die Bayern haben wieder gewonnen. Im Ernst muss man sagen: die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Es bleiben Fragen über Fragen und nun schlägt die Stunde der Journalisten. Es würde mich sehr wundern, wenn es keine Fortsetzung gibt. Die Eile, mit der Verteidigung und Staatsanwaltschaft die Akten geschlossen haben, ist verdächtig.


10.2.2014: Nürnberg-Werder 0:2 - Froh zu sein bedarf es wenig

Froh zu sein bedarf es wenig, sagt ein Volkslied. Und wie so oft bei alten Mundarten, steckt eine tiefere Weisheit dahinter. Zum Beispiel, das man dem Gegner gerne 75% Ballbesitz überlassen kann, wenn man denn selber einfach zwei Tore macht. Für unsere Verhältnisse war der Auftritt in Nürnberg extrem abgebrüht. Man ist sich als Betrachter zwar nie so ganz sicher, aber es scheint tatsächlich so, als ob man sich zunehmend auf die Abwehr verlassen könnte. Zumindest gegen die Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte, die allesamt mit überschaubarer Offensivkraft auftreten. Nürnberg war gefühlt überlegen, hatte, wie erwähnt, furchtbar viel Ballbesitz, aber die Szenen, in denen einem als Werderfan Angst und Bange wurde, hielten sich trotzdem in Grenzen. Das liegt vor allem daran, das die ansonsten in schöner Regelmäßigkeit auftretenden, haarsträubenden individuellen Fehler ausbleiben. Nicht, das nun alle Beteiligten alles richtig machen würden. Keineswegs. Aber das, was nicht funktioniert, kann von den anderen geglättet werden. Bliebe da noch die Frage: Was tun bei Ballbesitz? Das ist nicht gerade Werders Stärke. Aber auch da tut sich was. Die Verpflichtung von Obraniak hat für spürbare Belebung gesorgt und im Verbund mit Hunt und Junozovic kommt inzwischen so manche Offensivaktion heraus, die zwar nicht jedes Mal mit der Zunge schnalzen lässt, aber die immerhin zu zwei Auswärtstoren führt und für drei Punkte sorgt. Werder hat es nun absolut in der Hand gegen Stuttgart (Steevens hin oder her) und in Freiburg den Sack in Sachen Abstiegskampf zu zumachen, bevor es gegen Wolfsburg, Schalke, Bayern, Hertha und so geht. Was anderes: auch von meiner Seite ein Sonderlob für Aaron Hunt. Verwunderlich ist allerdings, dass sämtliche Reporter, anstatt sich einfach mal zu freuen, lieber spekulierten, ob er es beim Stande von 0:0 auch gemacht hätte. Meine Güte. Und noch was Anderes: heute beginnt der Prozeß gegen Uli Hoeneß. Ich wünsche der Kammer, das sie gerecht urteilt. sine mora et studio – ohne Zorn und Eifer.


2.3.2014: Werder-HSV 1:0 Bengalische Feuer

Das war es also, dass 100.Nordderby. Werder siegt völlig verdient 1:0 gegen einen eher enttäuschenden HSV. Ein feines Tor, toller Kampfgeist und gelebte Tugenden: sie nahmen die Zweikämpfe an, rehabilitierten sich (Lukymia), zeigten Ansätze von Spielkunst (Junozovic, Obraniak) und wurden wieder einmal von einem sagenhaften Publikum getragen. Über das Besondere am Bremer Publikum habe ich an dieser Stelle schon öfter geschrieben. Aber gestern kam ein Kapitel dazu. Nicht nur, dass die Choreographie vor Beginn des Spiels Respekt abnötigte. Besonders imponiert hat die Reaktion des Publikums, als zu Beginn der zweiten Halbzeit eine Gruppe in der Ostkurve bengalische Feuer zündete und den Schiedsrichter zwang, das Spiel für drei Minuten zu unterbrechen. Der Rest der Ostkurve skandierte: „Ihr seid Sch..., wie der HSV“ und pfiff die Rädelsführer nach Strich und Faden aus. Es ist das alte Katz- und Mausspiel, das hier von einigen unverbesserlichen gespielt wird. Und man könnte sogar ein bisschen schmunzeln, wenn es nicht um die bis zu 1000 Grad Celsius heißen Brennstäbe ginge, deren Dämpfe im Übrigen auch nicht gerade gesundheitsfördernd sind. In diesem Zusammenhang erlaube ich mir aber auch den Hinweis, das die DFL nicht ganz unschuldig an den immer wiederkehrenden Verstößen ist. Sie hat nämlich die gemäßigten Gruppen in der Fanszene, die mit konstruktiven Vorschlägen auf die Liga zugingen schlicht ignoriert. Selbst Ideen, die ein kontrolliertes Abbrennen, vergleichbar mit einem professionellem Feuerwerk, vorsahen, wurden verworfen. Hinter den Bengalos steckt nicht nur die Lust am Tabubruch, oder die jugendliche Freude besonders das zu tun, was verboten ist. Dahinter steckt auch das Aufbegehren der Kurvenfans die dieses Spiel als das ihre wähnen und die Occupation des Spiels durch das Geld beklagen. Ob das nun richtig oder übertrieben ist, sei dahingestellt. Gerade Werder ist ja bekannt dafür ein gutes Verhältnis zu den Fans zu pflegen und es gibt nun weiteren Gesprächsbedarf. Denn die Täter haben sich gezielt vorbereitet und wurden mindestens geduldet. Es wurde nämlich eine überdimensionierte Fahne über die Köpfe der Fans hochgezogen unter der sich die Täter vermummen konnten, bevor sie die bengalischen Feuer abbrannten. Sie trugen grüne Kapuzen und konnten so von der Videoüberwachung nicht erkannt werden. Die Polizei wird es schwer haben, sie zu identifizieren. Das hat keiner verhindert. Komisch auch, das rund um das Stadion Unmengen von Polizisten aufmarschiert waren, inklusive berittener Einheiten und Wasserwerfern, aber vor der Fankurve keiner stand der das Aufziehen der Fahne verhinderte. Das mag Ausdruck des Vertrauens sein, dass Werder Bremen seinen Fans entgegenbringt. Diese müssen jetzt selber tätig werden und sich von den Unverbesserlichen distanzieren.

Bengalische Feuer spenden ein beeindruckendes Licht und die Rauchentwicklung bringt nicht selten spektakuläre Bilder hervor. Aber ein Abbrennen in einer dicht gedrängten Stehplatzkurve ist nicht zu dulden.

Bliebe da noch Andre. Andre sitzt halb rechts vor mir. Einer, der früher unten stand. Er kennt alle Lieder, schunkelt mit (nach links – nach rechts) und hat einen ausgeprägten Humor. Es muss um die 85.Minute gewesen sein. Werder hatte mal wieder einen Zweikampf gewonnen und der HSV brachte nichts mehr zustande. Andre dreht sich zu uns um und sagte: „Ich will ja nichts sagen. Aber der HSV ist doch irgendwie Scheiße.“

Und mit diesem Zitat entlasse ich Euch in die Woche.

Lebenslang grün-weiß.

25.2.2014: Frankfurt-Werder 0:0. Punkt mit Beigeschmack

Ich mag keine Spiele gegen Frankfurt. Die Eintracht ist mir seit Jahren noch nicht mal unsympathisch, sondern schlicht egal. Ob die mitspielen, oben oder unten, ist mir völlig wurscht. Das einzige, was es wirklich über Eintracht Frankfurt zu sagen gibt, ist, dass sie der erste Bundesligaverein waren, der einen Universitätsprofessor, den damaligen Kanzler der Uni Frankfurt, als Vereinspräsident vorweisen konnte. Und dann auch noch mit dem wohlklingendem Namen Achaz von Thümen. Er war bekannt dafür, so manche Vorstandssitzung abzubrechen, weil er mit der letzten Straßenbahn nach Hause fahren wollte. Ansonsten sind die mir egal. So habe ich auch mit etwas weniger Emotionen geschaut, als sonst üblich. Der Weser-Kurier bemerkt es richtig, dass sich Werder etwas im Wege steht. Die kämpferische Einstellung war völlig in Ordnung, keine Frage. Aber die mangelnde Cleverness eines Felix Kroos, der gerade wieder auf dem Weg war nach seiner Verletzung zu einer echten Größe zu werden, sich innerhalb von 4:37 Minuten zwei gelbe Karten einzuhandeln, die tat dann schon wieder weh. Werder überließ den Frankfurtern das Spiel. Rund 75%  Ballbesitz für die Eintracht sprechen eine deutliche Sprache. Allerdings soll das nicht darüber hinweg täuschen, dass die Frankfurter keineswegs übermächtig waren. Ganz im Gegenteil.  Allerdings hatte Werder keine Idee, was zu tun ist, wenn der Ball erst einmal gewonnen war. Das geht los bei Torwart Wolf, der nahezu ausschließlich mit langen Abstößen operiert. Nicht selten auf den kleinen Junozovic, was besonders clever ist und einen sofortigen Ballverlust mit sich bringt. Aber auch die Feldspieler haben keine Idee, was zu tun ist. Die Ungenauigkeiten, die Fehlpassquote im Spiel nach Vorne sind ist atemberaubend und kostet zusätzlich Kraft, da der Ball immer wieder schnell verloren geht. Der ganz große Fehler blieb dieses Mal aus, bzw. wurde nicht bestraft. Wie in der 88.Minute als Alex Meier 5 Meter vor dem Tor frei zum Kopfball kam und diesen wie durch ein Wunder neben das Tor setzte.

So blieb es immerhin bei einem Punkt. Hart erkämpft und mit richtig Beigeschmack. Zum einen durch den Ausfall gleich dreier Abwehrspieler, die sonst ihre dritte Partie in Folge hätten machen können. Zum anderen durch das Gefühl, etwas liegen gelassen zu haben. Da war mehr drin. Aber egal. Denn jetzt kommt der HSV. Und das ist, wie immer, unser „Classico“. Der Osterdeich wird grün-weiß geschmückt sein und die ganze Stadt atmet Derbyluft. Ich freu mich drauf. Den Slomka-Effekt haben sie ja schon gehabt. Nun geht es weiter mit dem Verlieren, Ihr Lieben! Willkommen im Weserstadion!

16.2.2014 Werder-Mönchengladbach 1:1 Steht auf, wenn ihr Bremer seid

Auf dem Weg zum Weserstadion geht es bergab. Unser Zuhause liegt ja vor dem Deich, man muss also ein paar Schritte runter gehen um zum Areal zu gelangen. Ein Sinnbild? Ich durfte das Spiel gegen Mönchengladbach aus dem VIP-Bereich der Westkurve heraus beobachten. Und weil es dort ja immer etwas Leckeres zu Essen gibt, war ich schon vor 14 Uhr da. Und, was soll ich sagen? Es lief auf den Bildschirmen die Konferenz der Zweiten Liga? Ein Omen? Keineswegs, wie sich später herausstellen sollte. Werder gegen Gladbach wurde zu einem Spiel, was im Nachhinein so etwas wie einen Wendepunkt darstellen könnte. Denn, wie sich die Mannschaft trotz des haarsträubenden Fehlers von Lukimya aufbäumte, wie sie kämpfte, das Publikum mitriss, das hatte schon Klasse und ich lege mich fest: dieses Team steigt nicht ab. Obwohl es natürlich schon bemerkenswert ist, dass ein geschenktes, frühes Tor in Augsburg vor zwei Wochen weniger Energie freisetzte und Sicherheit einflößte, als ein selbst verschuldeter, dämlicher Rückstand. Auf den Plätzen fanden die Zuschauer Klatschpappen mit der Aufschrift „Wir klatschen und Ihr kämpft!“. Es bedarf bei dem Bremer Publikum im Grunde keiner zusätzlichen Aufforderung. Wir sind das beste Publikum der Liga. Wir unterstützen unser Team und klatschen und singen gerade dann, wenn es besonders schwer fällt, weil es dann am Wichtigsten ist. Nicht, wie ein paar Kilometer weiter nördlich, wo sich sogenannte Fans schon zur Halbzeit auf den Heimweg begeben und die anderen pfeifen und nach dem Spiel den Spielern Prügel androhen. Wer das nicht glaubt, daß wir anders sind, der sehe sich noch einmal die Szene an, in der Lukimya ausgewechselt wird. Keiner pfeift, es wird sogar applaudiert, weil alle spüren, wie unendlich traurig der Mann sein muss. Nach solch einem Fehler in der 26.Minute ausgewechselt zu werden, wird gemeinhin als Höchststrafe bezeichnet. Aber als Robin Dutt seinen Verteidiger an der Seitenlinie empfing und einen Moment länger im Arm hielt, als sonst üblich, umarmte ihn das ganze Stadion mit. Und die anderen 11 krempelten die Ärmel hoch und machten ein gutes Spiel. Mit einem tollen Rafael Wolf, der mehrfach glänzend parierte. Petersen, der rannte und rannte, Prödl, der gefühlt jedes Kopfballduell gewann und all die anderen, bis hin zu Obraniak, der uns alle erlöste. Ein gefühlter Sieg. Ich gebe zu, ich bin vielleicht etwas zu begeistert. Und es ist fruchtbar eng in der Tabelle. Und doch bleibe ich dabei: diese Mannschaft wird nicht absteigen!


9.2.2014: Werder-Dortmund 1:5 "o tempora - o mores"

Katja Kraus, studierte Germanistin und Politologin, dreifache deutsche Meisterin im Frauenfußball und ehemaliger Vorstand des HSV schreibt ab und an eine Kolumne in der ZEIT. Diesen Donnerstag schrieb sie über Mainz und Augsburg die die Schwäche der Großklubs nutzen um sich zu positionieren. Zitat: “Während die ehemals Etablierten mit der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ringen und sich in stetiger Selbstbeschäftigung verlieren, gelingt es Mainz und Augsburg mit einfachen Mitteln Mannschaften aufzubauen.“ Zitat Ende. Dem ist bis hierhin schon nichts hinzuzufügen. Aber es kommt noch besser: „Dabei setzen sie (Anm.: die Trainer in Mainz und Augsburg) vor allem auf Spieler, die ihre Motivation aus dem Bewusstsein ziehen, dass ihre Existenz vom Erfolg abhängig ist“.  Es scheint in der Bundesliga nur zwei Gruppen von Spielern zu geben: entweder die bei Bayern oder Dortmund, die in so guten Mannschaften spielen, dass es einfach Spaß macht. Oder eben die, die einfach nur jedes Wochenende die Betroffenheitsinterviews auswendig wiedergeben, ansonsten aber mit hohen Grundgehältern ausgestattet sind. Es ist ihnen egal, ob gewonnen wird, oder nicht. Die Punktprämie scheint nicht den entscheidenden Anteil auszumachen. Wenn man im Weser-Kurier oder der Kreiszeitung Syke in der vergangenen Woche die Aussagen einzelner Spieler und vom Trainer Robin Dutt gelesen hat, dann konnte der geneigte Fan durchaus mit der Erwartungshaltung ins Stadion oder vor den Fernseher gehen, das sich die Mannschaft zerreißen werde. Das sah ja auch in den ersten dreißig Minuten ganz gut aus. Aber dann? Hängende Köpfe allenthalben und anschließend auswendig gelernte Interviews. Zum Beispiel Hunt: „Müssen irgendwie Punkte sammeln“ Ach nee. Obraniak, der in der zunehmend zerfallenden Mannschaft mit einigen gelungenen Ecken und Flanken auf sich aufmerksam machte, konnte nur feststellen, das es in der Mannschaft nirgendwo stimme. Und Robin Dutt hat sich zu der Bemerkung hinreißen lassen, seine Mannschaft habe sich zu keinem Zeitpunkt hängen lassen. Da wünschte man sich dann mal einen intelligenten Sportreporter, der gezielt nachfragt, was er damit meint. Angeblich ist ja auch der Teamgeist in Ordnung. Allerdings sieht man so wenig auf dem Platz. Haben wir vielleicht auch einige Spieler auf dem Platz, die sich für größer halten, als den Verein? Es sieht so aus. Die spannendste Frage ist allerdings, wie hoch das Wasser im Hause Wiesenhof steht, dass sie mit Werden den Werbevertrag verlängern und das auch noch zu verbesserten Konditionen. Vielleicht regieren ja bei Werder auch schon seit langem Kaufleute. Denen ist im Gegensatz zu Sportsleuten, das Ergebnis auf dem Platz egal. Wat zählt is auffe Bilanz.

o tempora o mores.


5.2.2014 FC Augsburg-Werder 3:1: Man kann sich gar nicht richtig freuen


Das schlimme an der Niederlage in Augsburg ist nicht die Niederlage an sich. Es ist auch nicht das teilweise fatale Desinteresse unserer Spieler, ein gutes Spiel hinzulegen. Es ist auch nicht die Tatsache, dass wir inzwischen noch nicht einmal in der Lage sind, das Geschenk eines frühen 1:0 gewinnbringend anzunehmen. Das schlimmste an der Niederlage ist, dass man sich gar nicht so recht am Tabellenstand des HSV erfreuen kann. Der HSV auf Platz 16 und kühnste Träume werden wach. Ach wäre das schön. Das Dumme ist aber, das wir uns ja nur drei Zähler besser präsentieren und nun die beiden Heimspiele gegen die Borussias vor der Nase haben. Es macht keinen Spaß, jetzt mit HSV-Freunden zu frotzeln und sie zu ärgern. Sie können allzu leicht kontern. Und inzwischen müssen wir uns auch den Gag gefallen lassen, mit der Verpflichtung von Finn Bartels hätte Werder schon mal gezielt die Konkurrenz der nächsten Saison geschwächt. Zur Erinnerung: Finn Bartels spielt derzeit in der zweiten Liga bei St.Pauli. Deren Anhänger träumen derzeit wieder von einer Relegationsparty gegen den HSV. Mal schauen. Werden hat mit Obraniak noch mal zugelangt und am Samstag gegen Dortmund kann der spielen. Ob er alleine es zu reißen vermag, werden wir sehen. Ein Micoud-Effekt? Oh Gott oh Gott, daran mag man gar nicht denken. Aber vielleicht passiert ja noch ein kleines Wunder und es geschieht ausgerechnet gegen Dortmund mal wieder etwas ganz Besonderes.

Derweil beschweren sich in der SZ erste Redakteure, dass immer mehr Teams in der Liga hingehen und die Spiele gegen die Bayern herschenken. Das sie gar nicht mehr richtig mitspielen. Das sie sich nicht mehr erniedrigen lassen. Besonders jetzt, nachdem Armin Veh am Wochenende seine beiden besten Spieler auf der Bank ließ. Recht so, kann ich da nur sagen. Warum sich noch zusätzlich demütigen lassen? Wir nehmen ihnen die Lust am Spiel, weil wir nicht mehr ernsthaft mitspielen. Wir blamieren sie solange, bis sich die Wirtschaft von ihnen abwendet, bis keiner mehr hingeht, weil es so langweilig ist, bis das keiner mehr hingeht. Bis wir sie los sind.

27.1.2014 Werder-Braunschweig 0:0: Es werden harte Wochen

Das Werder-Spiel war gestern natürlich auch tragisch. Ausgerechnet an so einem Tag, wo man das Glück besonders gut gebrauchen kann, übersieht der Linienrichter einen halben Meter (!) Nicht-Abseits und trifft Bargfrede nur den Pfosten. So konnte Werder angesichts der einen oder anderen Braunschweiger Großchance fast schon froh sein, mit dem 0:0 wenigstens einen Punkt behalten zu haben. Das Problem Werders, nur sehr spärlich eine Dominanz im eigenen Stadion aufbauen zu können, erreichte seinen sichtbaren Höhepunkt, als Brauchschweig gegen Ende des Spiels auf Sieg spielte. In der 77.Minute wechselte Lieberknecht seinen besten Stürmer Bellarabi ein. Zu einem Zeitpunkt also, wo nicht selten defensiv eingewechselt wird, bringt er einen Offensivmann. Das war vielleicht die gefühlte Niederlage innerhalb dieses Unentschiedens. Es riecht sehr danach, das das zu wenig ist. Denn nun geht es zu den unbeugsamen Augsburgern und danach gegen die beiden Borussias. Was positiv hervorzuheben ist, so finde ich, ist, das Robin Dutt sich nicht schon wieder vor die Mannschaft stellte. In der Pressekonferenz sprach er die Defizite sauber und ordentlich an: vor allem die mangelnde Chancenauswertung auch ohne das nicht gegebene Elia. Warum er allerdings nicht früher mit einer Einwechslung noch mal einen Impuls setzte, bleibt sein Geheimnis. Vielleicht liegt es ja daran, das er keinen geeigneten Mann hat. Einen, der zum Beispiel mal einen Hunt oder Junozovic, die gerade erst genesen, ihren Mann standen, halbwegs angemessen vertreten könnte. Da macht einen die mehrfach in diesen Tagen zu lesende Ankündigung, es gäbe im Winter keine Verstärkungen mehr, dann doch etwas Sorgen.

Der Dreier blieb aus und somit auch der so dringend benötigte Aufbau eines Polsters, das uns alle ruhig schlafen lässt. Es werden harte Wochen.

22.1.2014 Drei Tage vor dem Rückrundenstart: der Zauberlehrling ruft die Geister, ein Koreaner geht nach Mainz statt nach Bremen, de Bruyne nach Wolfsburg und warum wir uns reichlich Brause bestellen sollten

In drei Tagen ist es wieder soweit: die Woche hat einen Rhythmus. Das Leben einen Sinn. Die Rückrunde beginnt. Und aus Sicht unseres SVW haben sich erstaunliche Dinge getan. Schauen wir zunächst nach Hamburg. Der HSV ruft die Geister wie weiland der Zauberlehrling. Die Profiabteilung soll ausgegliedert werden und somit der Weg frei werden für Investoren. Ein Schritt den der SV Werder schon vor vielen Jahren in der Ära Jürgen Born vollzog. Aus den zahlreichen Interviews, die mit den wichtigen Menschen aus dem Umfeld des HSV im Umfeld der Mitgliederversammlung zu lesen gab, triefte förmlich diese unterschwellige Überheblichkeit der Hamburger, die sich im Grunde auf Augenhöhe mit Bayern München sehen. Und das waren sie auch mal. Ein lustiges Zitat vom Anfang der Achtziger Jahre las ich, dass die Vorstände der beiden Vereine sich lustig machten, das keiner Meister werden wollte, weil sie kein Geld für die dann fälligen Prämien hätten. Und seitdem wähnt man sich in Hamburg in einer vorrübergehenden Durststrecke. Also seit ca. 30 Jahren. Und nun drehen sie den Verein um und hoffen auf den Privatier Kühne, der dann seine Millionen hergibt und aus seinem Pool auf der Insel Mallorca, via Presse ständig reinredet. Will man so einen? Was einen als Bremer beruhigt: diejenigen unter den HSV-Fans, die sagten, der Verein könne so bleiben wie er ist, es läge ja nur an dem minderqualifiziertem Personal, blieb in der Minderheit. Recht so. Denn unfähige Leute werden auch mit Geld nicht fähig. Und die Fraktion, die glaubt, mit dem Kontostand alleine werde sich das schon richten, hat gewonnen. Klaus Allofs hat nun Geld und holt für 20 Mille Kevin de Bruyne nach Wolfsburg. Dafür wird wohl Diego im Sommer gehen und bei uns nur einen Hauch an Erinnerungen auslösen. Das Trikot mit dem W trägt er nie wieder. Zuvor allerdings hat er in Bremen mit Alberto, Wesley, Arnautovic, Avdic rund 20-30 Mille versenkt, die sich alle nicht sportlich ausgezahlt haben.

Und Werder kann noch nicht mal einen 3-Millionen Transfer tätigen. Der Südkoreaner Koo wechselt nach Mainz und nicht nach Bremen. Seufz. Aus Italien bringen Eichin und Filbry zunächst auch nichts mit. Will sagen: auf die Vorzüge der Zusammenarbeit mit Juventus Turin müssen wir noch warten.

Das bringt uns in die Verlegenheit, nun wieder ganz von vorne anzufangen. Wir tun gut daran, uns nach wie vor auf viel Brause und wenig Champagner einzustellen. Natürlich sind Siege immer wichtig, aber ein positiver Einstieg in die Rückrunde ist doch etwas Besonderes. 6 Punkte, wie in der Hinrunde, gegen Braunschweig und Augsburg würden weiter für Ruhe sorgen vor den Spielen gegen die beiden Borussias.

Euch allen einen schönen Start in die Rückrunde.

13.1.2014 Vom Wert eines Freundschaftsspieles (Werder-Nijmegen 0:1)

Es geht um nichts. Keine Punkte, keine Ehre, keine Pokale. Es ist eine Trainingseinheit. Und der Gegner ist eher unterklassig oder wenigstens auf dem Papier schwächer. Ein klassisches Freundschaftsspiel in der Vorbereitung halt eben. Wie zum Beispiel gegen Nijmegen, Tabellenletzter der holländischen Eredivisie. Es ist egal wie es ausgeht und morgen vergessen. Und doch schleicht sich bei mir ein ungutes Gefühl ein. Wer, wie ich, die Werder-Magazin-Ausgaben erhält, kann fast in jeder Ausgabe ein Interview mit irgendeinem unserer Protagonisten lesen, in dem dieser dann mit einem Satz zitiert wird, er wolle jedes Spiel gewinnen. Ist das auswendig gelernt oder eine ehrliche, zutiefst empfundene Einstellung? Wenn ich in der Kreiszeitung Syke Online von heute lese, das gestern im Trainingslager die beste Mannschaft verloren hat und zwar (wieder einmal) mit schlechter Einstellung auf dem Platz war, dann schleicht sich genau dieses Gefühl an, das ich oben versucht habe zu benennen. Jürgen Klopp hat für seine Dortmunder den Spruch „Das kluge Pferd springt immer so hoch, wie es muß“ hergenommen und umgewandelt: „Das kluge Pferd springt immer so hoch, wie es kann!“. Ein Sieg macht mehr Spaß. Ein Sieg ist besser für das persönliche Wohlbefinden. Das weiß jeder, der im Freizeit- oder Breitensport unterwegs ist oder sonst wie im Beruf oder in der Freizeit schon mal was gewonnen hat, oder Erfolg hatte. Mattias Sammer mag einem etwas seltsam vorkommen, wenn er manchmal nach glänzenden Siegen der Bayern zum Mikrofon schreitet und Warnungen ausspricht oder Sorgen benennt. Man fragt sich als Werderfan da schon manchmal, was den so reitet. Aber im Ernst: wer ist eigentlich bei Werder mit annähernd solchem Biss gesegnet und äußert den auch öffentlich? Nochmal Jürgen Klopp (sinngemäß): „Was mich antreibt ist nicht die Angst vor der Niederlage sondern die Lust am Gewinnen!“

Gerade bei einer Mannschaft mit den Fähigkeiten wie der unseren, braucht es jedes Mal, wenn der Ball rollt, 100%. Weniger bedeutet Niederlage. Haben wir oft genug erlebt. Und gestern wurde eine wichtige Lektion in puncto „Mentaltraining“ vergeigt. Schade.

Es kann sein, dass ich schon in ein paar Tagen, über diese Zeilen lächele. Aber heute morgen mussten sie raus. Glaubwürdigkeit ist die Übereinstimmung von Reden und Handeln. Ich wünsche mir das den zahllosen Interviews Taten folgen.

8.1.2014 Aaron Hunt

Ich bin mal sehr gespannt, ob Aaron sich zum Symbol, zur grün-weißen Integrationsfigur macht. Er könnte bei Werder in die Fußstapfen von Marco Bode, Dieter Eilts oder Thomas Schaaf treten. 

7.1.2014 Bayern drohen mit Weltmacht

Während wir also darüber diskutieren, ob und wenn ja wo Clemens Fritz sich nächstes Jahr überlaufen lässt, drohen die Bayern laut Süddeutscher Zeitung mit der Weltmacht. Es drohen "deutsche Verhältnisse" schreibt die SZ heute. Nach der Pokalniederlage gegen Dortmund vor zwei Jahren, setzte sie wieder ein, die alte Bayern-Taktik. Die mit dem Doppeleffekt. Sich selber stärken und den Gegner schwächen. Und so nahm es seinen Lauf. Erst Götze und nun Lewandowski. Nach Einschätzung der SZ kann Bayern derzeit das Doppelte von dem zahlen, was Dortmund kann. Und in ein paar Jahren haben sie ihr Stadion abbezahlt und noch mehr Liquidität. Die wirtschaftliche Macht ist so groß, dass wir uns bald in allen Stadien gegenseitig zusingen können: ihr werdet nie deutscher Meister. 

6.1.2014 Clemens Fritz will bleiben

Die Kreiszeitung Syke meldet, dass Clemens Fritz darüber nachdenkt, bis 2015 weiter zu spielen. Ich kann nur hoffen, dass er das nicht in unserer ersten Mannschaft tut. Ganz ehrlich, Clemens: danke, danke für all die Jahre, in denen Du die Knochen hingehalten hast. Aber es ist gut. 

6.1.2014 Trainingsauftakt

Sie laufen wieder und ich schreibe wieder. Ich werde mich bemühen, an dieser Stelle ab und an etwas zu unserem Lieblingsverein zum Besten zu geben.